Playing House
Gartensaison 2026
Was bedeutet es, ein Zuhause zu gestalten? Playing House greift einen Begriff auf, der an Kindheit und Rollenspiel erinnert und daran, dass Zusammenleben kein fester Zustand ist, sondern fortlaufend ausgehandelt und neu definiert wird. Ein Zuhause entsteht dabei nicht von selbst. Es ist kein fester Zustand, sondern etwas, das hergestellt, erhalten, verloren oder verwehrt werden kann. Ein Zuhause wird geformt von Beziehungen, Rollen, geteilten Erfahrungen, Erinnerungen und der Art, wie wir miteinander leben. Der Ausstellungstitel steht für das Spielerische: für das gemeinsame Erproben und Gestalten von Räumen und Zugehörigkeit.
Die Künstler:innen richten ihren Blick auf unterschiedliche Akteur:innen der Koexistenz, auf Menschen, Tiere, Alltagsgegenstände und selbst auf Staub. Sie fragen danach, wie Intimität entsteht, wie Zugehörigkeit sichtbar wird und welche Spuren das gemeinsame Leben hinterlässt.
Zwischen Care und Hierarchien, Nähe und Distanz, Intimität und Öffentlichkeit verhandeln die Arbeiten unterschiedliche Vorstellungen davon, was Zuhause bedeuten kann.
Die Ausstellung erstreckt sich über die gesamte Gartensaison, entwickelt sich kontinuierlich und wird durch Formate wie backyard listenings, Performances und weitere Veranstaltungen aktiviert.
Kuratiert von Anaïs Strübin
Mean Girls, 2026
#1,#2,#3,#5,#6,#7,#8,#9,#10
Schlüsselbunde, Keramik,
Alltagsgegenstände
Dimension variabel
Im champagnerfarbenen Badezimmer und im Eingangsbereich sind neun Schlüsselbund-Bouquets aus der Serie Mean Girls zu finden. Die Arbeit kombiniert Schlüssel und weitere persönliche Alltagsgegenstände mit Keramikplastiken in Form von Mini-Sextoys. Schlüsselbunde öffnen Räume, begleiten uns durch den Alltag und werden mit Anhängern personalisiert. Murielle Gräff versteht Intimität und Sexualität nicht als private, sondern politische Angelegenheit und spielt mit den Codes, die das sichtbar machen.
Die Keramik-Toys hängen wie Charms an den Schlüsselbunden und lassen über kulturell geprägten Codes die Vorstellung von neun Besitzerinnen entstehen. Das gemeinsame Accessoire stiftet Zugehörigkeit und lässt zugleich offen, wer diese Besitzerinnen sind.
Foto Credit: Arthur Heck
In My Room, 2025
#1, #2, #3,
Bronze, 34×23×3 cm Unique
Good Boys Go to Heaven, Bad Boys Go Everywhere, 2025
gravierter Stahl,
63×8×1.5 cm & 65×9×1.5 cm
Die in zwei Räumen verteilten Bronzeplastiken In My Room #1, #2, #3 verweisen auf eine Erinnerung an eine Trennung. Die gegossenen Textilien werden zur Archäologie einer vergangenen Beziehung und bewahren durch ihre Materialität Spuren von Intimität in unvergänglicher Form.
Die ineinander verschränkten Kronen Good Boys Go to Heaven, Bad Boys Go Everywhere, tragen je einen der beiden Sätze als Gravur und liegen auf einer gefundenen Matratze. Als Analogie zu zwei verbunden Körpern spielen sie mit der Frage, ob das Bett ein Ort der Erlösung oder der grenzenlosen Möglichkeiten ist und welche Krone von wem getragen wird.
Beide Arbeiten kreisen um die Frage, welche Spuren Nähe hinterlässt und wie Beziehungen in Erinnerung, Material und Erzählung fortbestehen.
Foto Credit: Arthur Heck
Föhn, 2024
Öl auf Leinwand
21×31 cm
Alte Mikrowelle, 2024
Öl auf Leinwand
21×31 cm
Iron shared through a WhatsApp image, 2024
Öl auf Leinwand
31×21 cm
The latest Blender, 2024
Öl auf Leinwand
21×31 cm
Vacuum as seen in Baslerstrasse 141, 2024
Öl auf Leinwand
21×31 cm
I don’t remember who gave me this, 2023
Öl auf Leinwand
110×70 cm
Im Treppenhaus und in einem der oberen Zimmer begegnen unsere Gäst:innen Porträts von Haushaltsgeräten. Föhn, Staubsauger, Mikrowelle, Bügeleisen und Blender treten als eigenständige Protagonist:innen des Alltags auf. In vielen Einfamilienhäusern ist es Tradition, Familienbilder entlang des Treppenaufgangs zu präsentieren. Die Hängung der Serie greift diese Idee auf: Die porträtierten Haushaltsgeräte treten als Familienmitglieder auf, als Träger:innen von Zuneigung, Ängsten und Erinnerung. Dabei hinterfragt Enrique Lanz Jiménez die Hierarchien, nach denen wir unsere Umwelt organisieren und bietet den oft wenig geschätzten Begleiter:innen unseres Alltags eine Bühne.
Foto Credit: Arthur Heck
City Dust Shanghai, 2023
Direktdruck auf Stoff
415×240 cm
SEM images from treet dust collected in Basel, 2026
Klebefolie
Dimension variabel
Bei gleich zwei Arbeiten in der Ausstellung wird Staub zum Protagonisten. Als Material entsteht Staub durch das menschliche Leben, ist immer in Bewegung, legt grosse Entfernungen zurück und kennt dabei keine Konzepte wie Nationen oder Grenzen. Er setzt sich überall fest, wird von Tieren und Menschen eingeatmet und verbindet Körper mit ihrer Umgebung. Damit stellt Bianca Pedrina die Frage: «Wo enden wir und wo beginnt die Stadt?».
Der Textilprint City Dust Shanghai zeigt eine vergrösserte Fotografie einer staubbedeckten Fassade eines Kolonialgebäudes in Shanghai. SEM images from street dust collected in Basel präsentiert Aufnahmen von Staubproben, die Pedrina in Basel gesammelt unter einem Rasterelektronenmikroskop analysiert hat.
Foto Credit: Arthur Heck
Charlotte von Engelberg
Takes a Village to Raise a Dog,
2025
Öl, Acryl auf Holz
12×16 cm
Not to Play the Piano II, 2025
Öl, Acryl auf Holz
13.5×19.5 cm
Im Jagdzimmer des Hauses, dem Ort, an dem einst die Gewehre gelagert wurden, zeigt nightingale zwei Portäts von Jagdhunden. Takes a Village to Raise a Dog erzählt von den Grosseltern der Künstlerin, die jagten und deren Liebe zu Jagdhunden. Einer ihrer Viszlas wurde durch ein vergiftetes Stück Fleisch getötet. Not to Play the Piano II zeigt ein Portrait eines Podencos, die Hündin wurde in der Schweiz adoptiert, nachdem sie in Spanien ausgesetzt wurde. Podencos werden für die Jagd oder für Rennen eingesetzt, nach der Saison werden sie ausgesetzt oder getötet. Bei schlechter Performance werden einige als Bestrafung mit einem Kabel erhängt, dieser Brauch nennt sich «Klavier spielen».
Die malerische Inszenierung lässt die Hunde fast wie Figuren auf Studioportäts erscheinen. Diese Ästhetik steht im Kontrast zu den Geschichten des Zusammenlebens. Schliesslich ist die Beziehung zwischen Mensch und Jagdhund geprägt von Zuneigung, Ausbeutung Care und Gewalt.
Foto Credit: Arthur Heck